Georg Thieme Verlag KG
Coronavirus

Videoformate in der internen KommunikationSo kommen Sie auch vor der Kamera gut bei den Mitarbeitern an

Besondere Zeiten, besondere Maßnahmen: In der Corona-Krise gewinnen Formate in der internen Kommunikation an Bedeutung, die früher eher belächelt oder als zu aufwändig abgetan wurden.

Alexander Andres

Kerstin Endele ist Expertin für Klinik- und Krisenkommunikation. Nebenbei betreibt sie mit der PR-Ambulanz einen der größten Blogs zur Klinikkommunikation in Deutschland.

Da werden Podcast aufgenommen, in denen die neuen Hygieneregeln auf der Tonspur vermittelt werden. Interviews mit der Leiterin des Krisenstabs oder der Pflegeleitung auf der Intensivstation vermitteln einen echten Blick hinter die Kulissen. Und so mancher Klinikgeschäftsführer wagt sich erstmals vor die Kamera und wendet sich in einer Videobotschaft direkt an die Beschäftigten. Aber was sollte man beachten, damit der Film im Intranet ein voller Erfolg wird?  

1.     Die Ausrüstung

Das Intranet ist nicht die Tagesschau. Und Sie brauchen nicht zwingend professionelles Equipment, um ein Video für die interne Kommunikation zu drehen. Eine kleine Videokamera genügt vollkommen. Notfalls tut es auch das Handy. Um verwackelte Bilder zu vermeiden, sollte man auf jeden Fall ein Stativ einsetzen. Damit auch die Tonqualität passt, wäre ein externes Mikro empfehlenswert. Die sind heute bereits sehr günstig zu erhalten und sprengen auf keinen Fall das Budget der Unternehmenskommunikation. Suchen Sie sich einen Ort mit gutem, natürlichem Licht. Selbst professionelle Kamerateams setzen bei tagesaktuellen Dreharbeiten in der Regel keine zusätzlichen Scheinwerfer ein.    

2.     Die Kameraperspektive  

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Deshalb sollten Sie sich sehr genau überlegen, wo Sie Ihre Ansprache aufnehmen und wie die Kameraperspektive ist. Stehen Sie allein in einem großen Raum vor einem Stehtisch und fühlen sich dabei vielleicht sogar unwohl, wirkt das ganz anders, als wenn Sie entspannt an Ihrem Schreibtisch sitzen. Als Bildausschnitt ist meist ein Brustbild günstig. Oft lassen erfahrene Kameraleute die Hände bewusst aus dem Bild. Dann können Sie z.B. auch einen Stift in der Hand halten, um zu viel Bewegung, die man trotzdem im Schulterbereich erkennen würde, gezielt zu unterdrücken. Sprechen Sie generell viel mit den Händen, können Sie das auch vor der Kamera so beibehalten. Denn dann wirkt es authentisch und natürlich. In diesem Fall wählen Sie den Bildausschnitt etwas größer, so dass Ihre Hände permanent im Bild zu sehen sind.  

3.     Die Beitragslänge  

Es gibt schon einen guten Grund dafür, dass Fernsehbeiträge meist nicht länger als drei Minuten sind: Die Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauer ist – besonders in der heutigen Zeit – eher kurz. Das sollten Sie auch bei Ihren internen Videoformaten berücksichtigen. Sonst schalten Ihre Mitarbeiter bereits ab, bevor Sie Ihre Botschaften vermitteln konnten. Planen Sie dennoch einen längeren Film, sorgen Sie für Abwechslung bei den Bildern und Interviewpartnern. Ein klassisch aufgebauter Beitrag, der aus Einleitung, O-Tönen von Ihnen und anderen Personen und einem Fazit besteht und viele verschiedene Bilder – von der Außenaufnahme des Klinikgebäudes bis hin zu Arbeitssituationen auf Station oder in Ihrem Büro – zeigt, trägt viel länger als eine reine Videobotschaft mit einer festen Einstellung.          

4.     Der Auftritt  

Im Gegensatz zu einem Radiointerview kommt es vor der Kamera auch auf Ihr Auftreten an, denn Kleidung, Körpersprache und sogar der Hintergrund haben ebenso wie Ihre Worte Aussagekraft.   Kleiden Sie sich der Situation angemessen, aber nicht übertrieben elegant. Auch hierbei achten Sie auf Authentizität: Ein Arzt wirkt häufig im Kittel besonders vertrauensvoll. Ein Manager, der sonst eigentlich eher hemdsärmelig unterwegs ist, sollte für den Dreh nicht plötzlich die längst verstaubte Krawatte aus dem Schrank holen. Ist aber z.B., wie für Karl Lauterbach, eine Fliege Ihr persönliches Markenzeichen, dann nutzen Sie das auch und erhöhen damit Ihren Wiedererkennungswert. Karos und anderes kleinteilige Muster flimmern leicht und sind daher nicht für den Kameraaufritt geeignet. Und wählen Sie auch den Hintergrund sehr bewusst: Reden Sie z.B. über eine drohende Insolvenz, ist das teure Gemälde hinter Ihrem Schreibtisch vielleicht besser nicht im Bild zu sehen.  

5.     Die Sprache  

Kurz, knapp und präzise sollten Sie Ihre Botschaft vermitteln. Und diese haben Sie sich selbstverständlich schon im Vorfeld ganz genau überlegt. Vermeiden Sie Füllworte, Floskeln und Fachkauderwelsch und benutzen Sie, wann immer es sich anbietet, bildstarke Vergleiche. Achten Sie neben den Inhalten auch auf die Emotionen. Wenn Sie nicht nur über Fakten, sondern auch über Ihre persönlichen Erfahrungen, Eindrücke und Gefühle sprechen, bauen Sie Nähe zu Ihren Zuschauern auf.  Das verbindet und schafft Vertrauen – Werte, auf die Sie gerade in der Krise bauen sollten.

Nutzungs­bedingungen

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Was generell in diesen Tagen gilt, gilt auch für das Gesundheitswesen: Nur gemeinsam kommen wir durch diese Zeit. Haben Sie Themenvorschläge, Fragen an unsere Experten oder möchten Sie uns schildern, wie die Lage bei Ihnen vor Ort ist? Wir freuen uns über Ihre E-Mail an: redaktion-kma@thieme.de.

Dr. Reinhard Wichels
Krisenmanagement

Dr. Reinhard Wichels ist Gründer und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens WMC Healthcare GmbH. Gemeinsam mit der Hospital Management Group (hmg) betreut WMC derzeit rund 100 Krankenhäuser, davon mehr als zehn auch mit Management-Verantwortung. Beide Unternehmen tauschen sich firmenübergreifend strukturiert und engmaschig aus und lassen Sie im Rahmen des kma Corona-Krisenstab daran teilhaben. Mehr unter www.wmc-healthcare.de und www.hmg-im.de.

Kerstin Endele
Krisenkommunikation

Kerstin Endele ist Expertin für Klinik- und Krisenkommunikation. Nebenbei betreibt sie mit der PR-Ambulanz einen der größten Blogs zur Klinikkommunikation in Deutschland. Sie unterstützt Krankenhäuser in akuten Krisen und trainiert Führungskräfte für den Ernstfall. Mehr unter www.endele-pr.de und www.pr-ambulanz.com.